ARMUTSFALLE PFLEGEFALL !

Was kostet Pflege zu Hause und im Pflegeheim  

 

 

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     Hubert Hoehl

Die " P f l e g e " als Vorsorgeproblem ist ein allseits vieldiskutiertes Thema in der Öffentlichkeit.

  • Auch Immobilien (Eigentumswohnung oder das endlich abbezahlte Haus) sind vor dem Zugriff durch das Sozialamt gefährdet und werden im Pflegefall zur Kostendeckung verwertet.

Dabei sollte die Immobilie doch ursprünglich folgendem Zweck dienen:

  • Der Altersversorgung auf Grund der ersparten Miete. 
  • Als Sicherheit gegenüber steigenden Mieten.
  • Als unkündbarer Altersruhesitz.
  • Mit ihrem Vermögenswert als Kapitalanlage.
  • Als Erbe zum Beispiel für die Kinder.

 

Pflegefall zu werden bedeutet ein finanzielles Risiko für Sie und Ihre Familie vor allem bei vollstationärer Pflege im Heim !

 Was kostet Pflege des  Pflegebedürftigen zu Hause durch ANGEHÖRIGE ?

Hier: Durchschnittliche monatliche Pflegekosten bei hohem Pflegeaufwand in Nordrhein-Westfalen für Pflegegrade 2 bis 5 !

 

  • Pflegegrade                  2               3                   4               5        Pflegekosten             796 €     1.326 €       1.591€      1.750 € abzüglich                                                                               Pflegekasse               316 €        545 €          728 €         901 € = Eigenanteil                                                      Pflegebedürftiger      480 €        781 €         863 €         849  €
  • Pflegegrad 1 in der oben genannten Tabelle bleibt unberücksichtigt, da Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1, die von ihren Angehörigen in häuslicher Umgebung gepflegt werden, keinen Anspruch auf Pflegegeld von der Pflegekasse haben.                                                                                   

Was kostet Pflege des Pflegebedürftigen zu Hause durch PFLEGEDIENSTE ?

Hier: Durchschnittliche monatliche Pflegekosten bei hohem Pflegeaufwand in Nordrhein-Westfalen für Pflegegrade 2 bis 5 !

 

  • Pflegegrade                 2                3                4                   5       Pflegekosten ca.    1.377 €      2.358 €    2.829 €      3.111 € abzüglich                                                                    Pflegekasse               689 €      1.298 €    1.612 €      1.995 € = Eigenanteil                                                        Pflegebedürftiger    688 €      1.060 €    1.217 €       1.116 €                    
  • Pflegegrad 1 in der obengenannten Tabelle bleibt unberücksichtigt, da Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1, die einen Pflegedienst beauftragen, keinen Anspruch auf Pflegesachleistungen* von der Pflegekasse haben. *Pflegesachleistungen sind pflegegerische Leistungen, die von professionellen Pflegekräften ambulanter Pflegedienste erbracht werden. 

 

Was kostet Pflege des Pflegebedürftigen  zum Beispiel in Krefeld im günstigsten bzw. im teuersten PFLEGEHEIM ? 

 

 Pflegekosten im günstigsten Pflegeheim in Krefeld 

  • Pflegegrade              1            2           3           4             5      Pflegekosten ca. 2.475 €  2.810 €  3.302 €   3.815 €    4.045 €  abzüglich                                                                            Pflegekasse            125 €     770 €   1.262 €   1.775 €    2.005 €   = Eigenanteil                                                       Heimbewohner    2.350 €  2.040 €  2.040 €   2.040 €    2.040 €                        

  Pflegekosten im teuersten Pflegeheim in

Krefeld       

  • Pflegegrade              1            2           3           4            5      Pflegekosten ca. 3.775 €  4.260 €  4.752 €  5.265 €   5.495 €    abzüglich                                                                Pflegekasse            125 €     770 €   1.262 €  1.775 €   2.005 €     = Eigenanteil                                                      Heimbewohner    3.650 €  3.490 €  3.490 €   3.490 €   3.490 €                       

Besonderheiten mit Pflegegrad 1 bei Stationärer Pflege

  • PFLEGEVERSICHERTE mit Pflegegrad 1 erhalten von der Pflegekasse lediglich einen Zuschuss bei vollstationärer Pflege (§ 43 Absatz 3 SGB XI) in Höhe von 125 Euro monatlich für pflegebedingte Aufwendungen. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 sind somit weitgehend Selbstzahler (!) bzw. zahlen weitgehend aus eigener Tasche.
  • Hintergrund: PFLEGEVERSICHERTE haben erst ab Pflegegrad 2 Anspruch auf vollstationäre Pflege im Heim. Dabei übernimmt die Pflegekasse pauschalierte pflegebedingte Aufwendungen, und zwar für  Pflege-leistungen je nach Pflegegrad 2 bis 5. 
  • Für weitere Kosten insbesondere für Unterkunft (Einbett- oder Zweibettzimmer) und Verpflegung (Mahlzeiten)  kommt der Pflegebedürftige in voller Höhe selbst auf.

 

Seit 1. Januar 2017  ist die Pflegereform

durch das zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten.

  • Dies bedeutet, daß jedes Pflegeheim bezüglich der Gesamtheit aller Heimbewohner einen durchschnittlichen Eigenanteil für Pflegerische Leistungen (Pflege, Betreung und medizinische Behandlungspflege) kalkuliert. 
  • Somit zahlt jeder Pflegebedürftige, und zwar unabhängig von seinem individuellen Pflegegrad egal ob Pflegegrad 2 oder 5, den gleichen (!) einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) für Pflegerische Leistungen. 
  • Ausnahme: Bei Pflegegrad 1 werden die Kosten pro Pflegeplatz kalkuliert und unterliegen somit nicht wie bei der oben genannten Gesamtheit aller Heimbewohner mit Pflegegrad 2 bis 5 einem durchschnittlichen Eigenanteil für pflegerische Leistungen

 

Zusammensetzung des Eigenanteils, das ist der Kostenbetrag, den der Heimbewohner bei  vollstationärer Pflege aus eigener Tasche zahlt.

Eigenanteil =

  • Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil (EEE)r pflegerische Leistungen (!) bei Heimbewohnern mit Pflegrad 2 bis 5 ! Bei Heimbewohnern mit Pflegegrad 1  handelt es sich um Kosten pro Pflegeplatz für pflegerische  Leistungen !
  • Plus Kosten für Unterkunft (Zimmer oder Appartement). 
  • Plus Kosten für Verpflegung (Mahlzeiten).
  • Plus Investitionskosten (betreffen das Gebäude und die technischen Anlagen des Pflegeheims. Beispielsweise Instandhaltung- und Modernisierungsmaßnahmen. Umbau- und Ausbauarbeiten. Gebäudemieten oder Finanzierungskosten, die der Betreiber des Pflegeheims aufwendet).
  • Plus  Ausbildungzuschlag: Das Heimentgelt erhöht sich um einen Ausbildungszuschlag für die Ausbildung von Pflegefachkräften und kann vom Heimbetreiber als Kostenbestandteil den Heimbewohnern in Rechnung gestellt werden.   
  • Plus gegebenenfalls Kosten für Zusatzleistungen, die der Pflegebedürftige mit dem Heim individuell vereinbart zum Beispiel: Besondere Komfortleistungen bei Unterkunft und Verpflegung wie ein besonders großes und komfortabel ausgestattetes Zimmer, individuelle Nutzung von Telefon, TV, Internet, Teilnahme an "Gourmetkost", ... Zusätzliche pflegerische/betreuende Leistungen zum Beispiel: Physiotherapie außerhalb ärztlicher Verordnung, persönliche Begleitung zu Arztbesuchen, individueller Vorlese-Service, ...                                                                    

                                                                                                              Pflegebedürftig kann jeder werden auf Grund von Krankheit oder Unfall

  • Pflegebedürftigkeit geht einher mit alterbedingtem Kräfteverfall (gemeint ist das Nachlassen körperlicher oder geistiger Kräfte).
  • Pflegebedürftige werden lange gepflegt. Demenzpatienten noch länger.
  • Die durchschnittliche Pflegedauer eines Pflegebedürftigen beträgt 6 Jahre.
  • Mehr als die Hälfte (53 %) der über 85-jährigen ist heute pflegebedürftig.                                                                                                                                                                                     

Der von Pflegeleistungen abhängige Pflegebedürftige zahlt aus eigener Tasche,  solange eigenes verwertbares Einkommen vorhanden ist zum Beispiel aus: 

  • Altersrente/Beamtenpension, Zins- und Mieterträge.
  • Ebenso wird vorhandenes Vermögen zum Beispiel Wertpapiere, Goldmünzen, Schmuck, verpfändbares    Haus/Wohnung zur Kostendeckung im Pflegefall verwertet.
  • Auch Schenkungen (z. B. Immobilien) der letzten 10 Jahre gehören zum Vermögen und müssen wegen Verarmung des Schenkers (hier des Pflegebedürftigen) rückab-gewickelt werden.
  • Sind nach dem Tod der pflegebedürftigen Person noch Verbindlichkeiten beim Sozialamt offen, werden die Erben hierfür in Anspruch genommen. Allerdings nur für Kosten der Sozialhilfe die innerhalb eines Zeitraums von 10 Jahren vor dem Erbfall aufgewendet worden sind.
  • Wenn das Vermögen der zu pflegenden Person aufgebraucht ist wird nach Prüfung des Sozialamts (Sozialamt geht zunächst in Vorlage der ungedeckten Pflegekosten) der Ehegatte bzw. der eingetragene Lebenspartner in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft zur Unterhaltszahlung herange-zogen.
  • Kann der Ehegatte / Lebenspartner den fehlenden Unterhalt nicht mehr aufbringen, werden zum Schluss    die Kinder für den fehlenden Unterhalt der ungedeckten Pflegekosten in Haftung genommen, denn Verwandte in gerader Linie, das heißt Großeltern -  Eltern -  Kinder sind verpflichtet einander Unterhalt zu gewähren. Betroffen    ist das laufende Einkommen derf Kinder.

          Allerdings gilt seit Januar 2020 das Angehörigen-

          Entlastungsgesetz wonach Kinder pflegebedürftiger 

          Eltern zu Unterhaltszahlungen erst dann verpflichtet     

          sind, wenn das Bruttojahreseinkommen der Kinder

          100.000 Euro übersteigt. Im Sinne der 100.000 Euro-

          Grenze sind auch sonstige Einnahmen wie aus

          Vermietung und Verpachtung oder aus Wertpapier- 

          handel als Einkommen zu berücksichtigen. Das eigene

          Vermögen der Kinder z. B. Wohneigentum wird für den

          Elternunterhalt nicht (!) herangezogen. 

 

Bitte bedenken Sie bei der Kalkulation des Pflegekostenbedarfs:

  • Reicht das Haushaltseinkommen im Pflegefall für den verbleibenden Ehepartner / Lebenspartner, um den Lebensstandard zu erhalten ? Gemeint ist der Lebens-standard bezüglich des Haushaltseinkommens, welches vor Eintritt des Pflegefalls zur Deckung der Lebens-haltungskosten der Eheleute oder der Lebenspartner eingeplant war und jetzt im Pflegefall mit den auf-tretenden Pflegekosten verrechnet wird. 
  • Berücksichtigt werden sollte auch, daß Pflegebedürftige, die in Pflegeheimen untergebracht sind einen zu-sätzlichen regelmäßigen Finanzbedarf haben, beispiels-weise für Telefon, TV, Internetzugang, Friseurbesuch, Kosmetische Behandlungen (z. B. Hand- und Fußpflege), Zuzahlungen für Medikamente, Taxidienste, Geschenke fürs Personal, Körperpflegemittel, Genussmittel, Kleidung, ... 

 

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